Hitzestress ist bei Milchkühen ein ernstes Problem, weil die Tiere Wärme nur begrenzt abgeben können. Steigen Temperatur und Luftfeuchtigkeit, sinken Futteraufnahme, Milchleistung und Wohlbefinden oft schon bevor man deutliche Krankheitszeichen sieht. Für die Praxis heißt das: Im Sommer müssen Wasser, Stallklima und Fütterung konsequent mitgedacht werden.
THI als Frühwarnsystem
Zur Einschätzung der Hitzebelastung wird häufig der Temperature-Humidity-Index, kurz THI, genutzt. Er verbindet Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit zu einem praxisnahen Wert, weil feuchte Luft die Wärmeabgabe der Kuh deutlich erschwert. Die gebräuchliche Formel lautet: Dabei ist die Temperatur in °C und die relative Luftfeuchtigkeit in Prozent.<
Woran Hitzestress zu erkennen ist
Frühe Warnzeichen sind erhöhte Atemfrequenz, Hecheln, längeres Stehen, weniger Wiederkauaktivität und eine sinkende Futteraufnahme. Später kommen Milchleistungsrückgang, Leistungseinbußen bei Inhaltsstoffen und Fruchtbarkeitsprobleme hinzu. Wer diese Anzeichen früh erkennt, kann meist noch rechtzeitig gegensteuern.
Trinkwasser ist die wichtigste Maßnahme
Das wichtigste Mittel gegen Hitzestress ist eine sichere und reichliche Trinkwasserversorgung. Hochleistungskühe haben bereits unter normalen Bedingungen einen hohen Bedarf; im Sommer kann er deutlich ansteigen, teils auf über 170 Liter pro Tier und Tag. Steht nicht genug Wasser zur Verfügung, sinken Trockenmasseaufnahme und Milchleistung schnell ab.
In der Praxis bedeutet das:
- Wasser muss jederzeit verfügbar sein.
- Tränken müssen sauber, gut erreichbar und leistungsfähig sein.
- Genügend Tränkestellen sind besonders bei großen Gruppen wichtig.
- Laufwege zum Wasser sollten kurz sein.
- Wasserqualität und Durchfluss müssen regelmäßig kontrolliert werden.
Wasser sollte möglichst kühl und frisch sein, weil Kühe es dann besser aufnehmen. Eine gute Tränke ist im Sommer kein Nebenthema, sondern der zentrale Baustein der Hitzestressvorbeugung.
Stallklima verbessern
Neben Wasser ist eine gute Luftbewegung entscheidend. Ventilatoren helfen, die Wärmeabgabe der Kühe zu verbessern, besonders am Futtertisch, im Liegebereich und im Wartebereich. Schatten und offene Stallbereiche reduzieren zusätzliche Wärmeeinträge durch direkte Sonneneinstrahlung.
Sprüh- oder Kühlsysteme können an heißen Tagen sinnvoll sein, sollten aber immer mit ausreichender Belüftung kombiniert werden. Sonst steigt die Luftfeuchtigkeit, und der Effekt nimmt deutlich ab.
Futter frisch und kühl halten
Im Sommer verliert die Ration schnell an Attraktivität, wenn sie warm wird oder nacherwärmt. Besonders TMR kann sich durch Hefen und andere Mikroorganismen erwärmen, wenn sie lange liegt oder aus instabilen Silagen gemischt wird. Eine erwärmte Mischung wird schlechter gefressen und belastet die Tiere zusätzlich.
Praktisch bewährt sich:
- Futter möglichst in den kühlen Morgen- oder Abendstunden vorlegen.
- Rationen frisch mischen und Restfutter konsequent entfernen.
- Mischwagen und Futtertisch sauber halten.
- Alte und neue Futterreste nicht miteinander vermengen.
- Bei Bedarf stabilisierende Zusätze gegen Nacherwärmung einsetzen.
Zusätze gegen Nacherwärmung
Wenn Futter zur Nacherwärmung neigt, können Säuren oder Siliermittel auf Basis von Propionsäure bzw. deren Salzen helfen, die Stabilität zu verbessern. Sie bremsen das Wachstum von Hefen und verzögern den Temperaturanstieg der Mischration. Der Vorteil liegt in besserer Futterhygiene und höherer Stabilität, der Nachteil in Zusatzkosten und der Notwendigkeit, das Mittel passend zur Ration einzusetzen.
Diese Zusätze sind aber nur eine Unterstützung. Ohne gute Grundhygiene, passende Vorschubgeschwindigkeit und saubere Vorlage bleiben die Probleme meist bestehen.
Was im Sommer Priorität hat
Für die Praxis hat sich folgende Reihenfolge bewährt:
- Trinkwasser absichern.
- Stallluft bewegen.
- Schatten und Kühlung nutzen.
- Futter kühl und frisch vorlegen.
- Nacherwärmung verhindern.
- Ration an die sinkende Futteraufnahme anpassen.
Fazit
Hitzestress lässt sich im Milchviehbetrieb meist nicht mit einer Einzelmaßnahme lösen. Am wirksamsten ist die Kombination aus ausreichend Wasser, gutem Stallklima und einer sommerangepassten, stabilen Fütterung. Wer die Wasserversorgung ernst nimmt und Futter sowie Stall rechtzeitig anpasst, schützt Leistung, Gesundheit und Tierwohl gleichzeitig.
- https://www.fokus-tierwohl.de/de/rind/fachinformationen-milchkuehe/hitzestress-bei-milchkuehen
- https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/technik/haltungsverfahren/hitze-milchviehstall.htm
- https://www.dlg.org/fileadmin/downloads/Kompakt/DLGKompakt_03_18.pdf
- https://www.oekolandbau.nrw.de/hitzestress-viel-und-sauberes-wasser-anbieten
- https://www.trouwnutrition.de/spezies-und-fachbereiche/milchkuhe/bekampfung-von-hitzestress/wassermanagement/
- https://www.deuka.de/aktuelles/2021-04-22-das_wirkt_gegen_hitzestress_bei_milchkhen/?pdf=true
- https://www.liebegg.ch/api/rm/FKBW5T37V55A5Z8/artikel-hitzestress-und-nacherwaermung-tmr.pdf
- https://www.ufarevue.ch/nutztiere/milchviehfuetterung-im-sommer
- https://www.agridea.ch/fileadmin/AGRIDEA/Theme/Production_animales/Production_laitiere_et_elevage/05.12_Wasserbedarf.pdf
- https://www.iakleipzig.de/fileadmin/user_upload/PDFs/Hitzestress_bei_Milchkuehen_052025.pdf
- https://buel.bmel.de/index.php/buel/article/download/34/Brade-91_3.html
- https://www.spinderdhc.de/spinder/wissensbox/rudmer-uber-das-trinkverhalten-von-milchvieh
