Shamonda-Virus bei Rindern: Was Halterinnen und Halter jetzt wissen sollten
Stand: 14. August 2026 · Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Velde
Ein neues Virus breitet sich aus
Seit Anfang August 2026 ist in Deutschland ein neues Virus bei Rindern nachgewiesen. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat es als Orthobunyavirus der Simbu-Serogruppe identifiziert, genetisch eng verwandt mit dem aus Afrika, Asien und Australien bekannten Shamonda-Virus – daher die vorläufige Bezeichnung „Shamonda-like“-Virus. Es ist der erste Nachweis eines neuen Virus dieser Gruppe seit dem Schmallenberg-Virus 2011.
Erste Fälle traten Anfang August in Süddeutschland und Bayern auf. Mitte August folgten zahlreiche Betriebe in Baden-Württemberg sowie erste Nachweise auf Milchviehbetrieben in Niedersachsen (Grafschaft Bentheim, Emsland) – dort bislang auf acht Betrieben bestätigt, mit vermutlich deutlich höherer Dunkelziffer.
Wie wird das Virus übertragen?

Wie BTV und SBV wird das Virus durch blutsaugende Gnitzen (Culicoides spp.) übertragen – eine direkte Tier-zu-Tier-Übertragung ist nicht bekannt. Betroffen sind Wiederkäuer, vor allem Rinder, auch Schafe und Ziegen. Gnitzen sind hauptsächlich von Juli bis Oktober aktiv, je nach Witterung bis in den November.
Symptome und Krankheitsverlauf
Bei erwachsenen Tieren verläuft die Erkrankung meist mild: wiederkehrendes Fieber, das nach zwei bis drei Tagen abklingt, vereinzelt Folgeerkrankungen wie Pneumonien. Durchfall kommt vor, in Niedersachsen bisher aber selten und nur leicht.
Deutlich spürbar ist der Milchleistungsrückgang von 5 bis 10 Litern pro Tier und Tag in betroffenen Herden. Die Erholungsdauer ist noch unklar. Insgesamt scheinen die Symptome milder als bei einer BTV-3-Infektion.
Wichtig ist das Risiko für tragende Tiere: Eine Infektion während der Trächtigkeit kann – ähnlich wie beim Schmallenberg-Virus – zu Aborten und Missbildungen führen. In Niedersachsen bisher nicht beobachtet, in anderen Regionen aber beschrieben. Auffällige Neugeborene sollten tierärztlich abgeklärt werden.
Was können Halterinnen und Halter jetzt tun?

Ein Impfstoff steht noch nicht zur Verfügung. Wichtigster Schutz ist derzeit die Abwehr von Gnitzenstichen:
- Zugelassene Repellentien einsetzen, besonders abends und nachts
- Empfängliche Tiere zur Dämmerung möglichst im Stall halten
- Besamungszeitpunkt so planen, dass die empfindliche Trächtigkeitsphase (analog SBV vermutlich 8.–14. Woche) außerhalb der Gnitzen-Hauptflugzeit liegt
- Stark erkrankte Einzeltiere symptomatisch behandeln lassen
Bei Milchrückgang, Fieber, Durchfall, Aborten oder missgebildeten Kälbern sprechen Sie uns an – wir nehmen bei Bedarf Proben und leiten sie zur Abklärung weiter.
Melde- und Anzeigepflicht
Das Virus ist derzeit weder melde- noch anzeigepflichtig und kann noch nicht im Tierseucheninformationssystem (TSIS) erfasst werden. Betroffene Betriebe haben daher aktuell keine behördlichen Auflagen. Die endgültige wissenschaftliche Einordnung durch das FLI steht noch aus.
Fazit
Das Shamonda-like-Virus breitet sich in Deutschland aus und hat auch unsere Region erreicht. Der Verlauf ist bei erwachsenen Tieren meist mild, kann aber die Milchleistung spürbar senken und bei tragenden Tieren zu Aborten und Missbildungen führen. Gnitzenschutz und aufmerksame Herdenbeobachtung sind derzeit die wichtigsten Maßnahmen. Bei Fragen oder Verdachtsfällen sprechen Sie uns gerne an.
Quellen
Friedrich-Loeffler-Institut (FLI): Pressemitteilung zum Nachweis eines neuen Orthobunyavirus der Simbu-Serogruppe („Shamonda-like“) bei Rindern in Deutschland, 3. August 2026, fli.de
top agrar: Shamonda-Virus – erste Nachweise bei Rindern in Niedersachsen, Anke Reimink, 13. August 2026, topagrar.com
top agrar: Shamonda-Virus – so senken Rinderhalter jetzt das Infektionsrisiko, 11. August 2026, topagrar.com
Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt: Neues Virus bei Rindern – Bayerns Nachbarland besonders betroffen, Wiebke Herrmann, 4. August 2026
Verband der Milcherzeuger Bayern e. V.: Shamonda-like-Virus bei Rindern – Schutz vor Gnitzenstichen im Fokus, 10. August 2026
Hinweis: Der Wissensstand zu diesem neuen Virus entwickelt sich derzeit fortlaufend weiter. Diese Information gibt den Stand vom 14. August 2026 wieder.

